Jürgen Wohlrabe (1936-1995)

Ich habe es nicht so sehr mit politischen Vorbildern. Aber mein Onkel Jürgen hat mit Sicherheit zu meiner Politisierung beigetragen. Der Fall der Berliner Mauer ist in meiner Erinnerung fest mit ihm verknüpft. Und schon als ich noch ein kleiner Junge war, hat er mich bei unseren Treffen mit politischen Fragen überhäuft.

Heute vor 25 Jahren ist er viel zu früh gestorben. Gerne hätte ich mehr mit ihm diskutiert. Das etwas unscharfe Foto unten zeigt uns beide übrigens am Tag meiner Konfirmation. Er war auch mein Taufpate.

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75 Jahre Tagesspiegel

Lieber Tagesspiegel, nun bist Du 75 Jahre alt. Seit 21 Jahren lebe ich in Berlin und genauso lange gehört die tägliche Lektüre zu meinem festen Tagesablauf. Du informierst mich, ordnest ein und zeigst mir neue Perspektiven auf. Nicht selten hast Du mich dazu animiert, neue Ortsteile von Berlin zu erkunden oder schon bekannte Viertel mit neuen Augen zu betrachten.

Politisch sind wir nicht immer einer Meinung. Das ist in Ordnung, auch wenn ich ab und an kurz davor war, Schluss zu machen. Schwierig wird, es, wenn die Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus nicht mehr eindeutig auszumachen ist. Aber er muss ja auch mit 75 noch Luft geben, sich weiter zu entwickeln.

Seit zwei Jahren lese ich dich digital. Heute mache ich eine Ausnahme und blättere in der Jubiläumsausgabe. Es sind nicht nur deine Geschichten, es sind auch deine Redakteure, die mich jetzt ein halbes Leben begleiten. Dafür bin ich dankbar. Herzlichen Glückwunsch!

Wahlkreis 3

Ich lebe jetzt ziemlich genau mein halbes Leben in Berlin. Hier am Lietzensee denke ich immer an meine Anfangszeit zurück. Wie alles begann. Gleich um die Ecke, im Studentenwohnheim in der Suarezstraße. Es sollte mein Zuhause für die nächsten Jahre werden. Nur wenige Schritte über den Hof befand sich die Landesgeschäftsstelle der CDU Berlin. Zwei Tage nach Ankunft begann ich dort ein Praktikum um die Zeit zum Studienbeginn zu überbrücken.


Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, wie sehr mich all das prägen würde. Zum einen die Stadt, die in ihrer Vielfalt zwischen Metropole und Kiez jeden Tag aufs Neue inspiriert. Zum anderen die Partei, in der ich damals Mitglied wurde. Mein Praktikum fiel in die Zeit des Vorwahlkampfs 1999. Ich erstellte Verteilerlisten, kümmerte mich um Bürgeranfragen und lernte Grundzüge des Wahlkampfs kennen.

Auch wenn ich später nach Moabit gezogen bin und beruflich viele Wahlkämpfe auf allen Ebenen führen sollte: Politisch verwurzelt bin ich bis heute in meinem Ortsverband Charlottenburg, der damals noch Schloss hieß. Und auch der CDU-Landesverband ist vor ein paar Monaten wieder an den traditionellen Standort zurückgezogen.

Der Blick aus dem Wohnheimfenster auf den Funkturm, die langen Sommerabende am Ufer des Lietzensees, mein erster Wahlkampf im Kiez: Das war nur der Anfang. Gestern Abend hat mich mein Ortsvorstand einstimmig als Kandidat für diesen Wahlkreis 3 für das Berliner Abgeordnetenhaus nominiert – vom Adenauerplatz, über den Lietzensee Park bis zum Klausenerplatz und Schloss. Ich bin dankbar für die Unterstützung und schaue gespannt auf den Kreisparteitag Ende Oktober.

Packen wir es an!  

Das Einhorn über dem Brandenburger Tor – #YESWECUM21

Berlin hat schon viele merkwürdige Demonstrationen gesehen. Aber das, was sich am Freitagabend auf dem Pariser Platz abspielte, war auch für Berlin ungewöhnlich – und passte gleichzeitig so wunderbar in diese Stadt. Doch der Reihe nach:

Sich mit einer Abmahnung konfrontiert zu sehen, ist nicht schön. Besonders ärgerlich ist es allerdings, wenn Konkurrenten versuchen, mit diesem Mittel aus Nichtigkeiten Kapital zu schlagen. Dann gerät die Auseinandersetzung schnell zur Farce. „Das Einhorn über dem Brandenburger Tor – #YESWECUM21“ weiterlesen

Bellevue: Abschied vom Gerickesteg

Im Sommer erinnert er ein wenig an Paris, in kalten Wintertagen kann man die Eisschollen die Spree hinuntertreiben sehen. Vor hundert Jahren, am 30. Januar 1915, wurde der Gerickesteg eröffnet. Damals hieß er noch Bellevuesteg und löste den Fußgängerüberweg unterhalb der danebenliegenden Stadtbahnbrücke ab. Seit über elf Jahren fester Bestandteil meines Alltags, bleibt er ab heute erst einmal gesperrt. „Bellevue: Abschied vom Gerickesteg“ weiterlesen

Die Sache mit dem Tempelhofer Feld – was Berlin braucht

Es gibt wenig schöneres, als an einem lauen Sommerabend über die alte Landesbahn des Flughafen Tempelhof zu spazieren und den Sonnenuntergang zu beobachten. In der einen Ecke das imposante Flughafengebäude. Mitten drin die Skater, Radfahrer, Jogger und Griller. Im Süden schließlich fließt der Verkehr und erinnert einen, dass man sich mitten in einer pulsierenden Metropole befindet. Gleichzeitig ist das weit weg und die Gedanken fangen an zu fliegen…

Mit der Europawahl haben die Berliner heute die Möglichkeit über die Zukunft des Tempelhofer Feldes abzustimmen. Eine nicht leichte Entscheidung, wie auch eine eben auf Twitter geführte Diskussion zeigt.

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Supergeil: Friedrich Liechtenstein winkt vom Balkon

Viel ist geschrieben worden, in den letzten Tagen, über Friedrich Liechtenstein, dem supergeilen Sänger und Tänzer aus EDEKAs viralem Video-Hit. Nicht nur in Deutschland sondern weltweit sorgt das Video für großes Aufsehen. Blogs diskutieren über die Revolutionierung der Werbung, während sich das Feuilleton an einer Annäherung an den Menschen Liechtenstein versucht. Beim Lesen der Artikel könnte man fast meinen, es handele sich um eine der Geschichten, die versuchen, Berlin zu erklären. „Supergeil: Friedrich Liechtenstein winkt vom Balkon“ weiterlesen

The Hoff – ein Happening an der East Side Gallery

Natürlich war da dieser amerikanische Pathos, mit dem wir Deutschen uns oft so schwer tun: Die Geschichten von Mädchen in Ostberlin, von der Wende, der Silvesterparty am Brandenburger Tor und von einem Lied. Ein Lied, das mit seinem Titel nun einmal gut in die Zeit passte und das – ob wie es wollen oder nicht – irgendwie auch im kollektiven Nachwende-Gedächtnis hängen geblieben ist.

Sicher wäre David Hasselhoff heute deutlich weniger umstritten, hätte er nur die Rollen des Michael Knight oder des Mitch Buchannon verkörpert, und nicht angefangen zu singen (auch noch Lieder, die in der deutschen Version von Toni Marschall gesungen wurden). Dennoch: Sein Auftritt am vergangenen Sonntag an der East Side Gallery war nicht weniger als ein großes Happening. Gut 10.000 waren gekommen, um den Hoff zu sehen, mit ihm zu singen und tanzend die #ESG entlang zu demonstrieren. Mit ihnen Medien aus aller Welt. Eine der Veranstaltungen, die in Ihrer Kreativität und Vielfalt so typisch für Berlin ist: Ironische Plakate, Rettungs-Bojen, ein Trans Am, gutes Wetter und Verkleidungen. „The Hoff – ein Happening an der East Side Gallery“ weiterlesen

Kulturkampf um die East Side Gallery

Es ist nicht ganz leicht, sich in der aktuellen Gefechtslage rund um die East Side Gallery zurechtzufinden. Über 6.000 Menschen kamen am vergangenen Sonntag zusammen, um für den Erhalt des Bauwerks zu demonstrieren. Die Beweggründe hierfür sind fast so vielfältig, wie Berlin bunt ist. Das gilt auch in Bezug auf die politischen Parteien:

CDU und Grüne waren in Mannschaftsstärke mit von der Partie, während sich die SPD weitgehend rar machte. Nachfolgend habe ich einige Redebeiträge dokumentiert: „Kulturkampf um die East Side Gallery“ weiterlesen

Warum Berlin die East Side Gallery braucht

Es geht um 1316 Meter Mauer. Aber eigentlich geht um das Gesicht einer Stadt, um Identität und Geschichte. Doch der Reihe nach:

Berlin wird oft nachgesagt, niemals zu sein sondern immer zu werden. Und tatsächlich hat die Stadt ihr Gesicht grundlegend geändert, seit ich Anfang 1999 hierher gezogen bin: Straßenzüge, in denen seit den Tagen des Zweiten Weltkrieges die Zeit stillgestanden zu sein schien, beeindrucken heute durch ihre frisch renovierten Fassaden. Abbruchhäuser verschwinden aus dem Stadtbild – ebenso die Brachen. „Warum Berlin die East Side Gallery braucht“ weiterlesen